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Tennis-Regeln einfach erklärt: Was gilt, wenn kein Schiedsrichter da ist?

Die meisten Tennis-Matches im Verein laufen ohne Schiedsrichter. Dann müsst ihr die Regeln selbst kennen – und fair anwenden. Hier findest du die wichtigsten Tennisregeln nach ITF, die offiziellen Empfehlungen für das Spiel ohne Schiedsrichter und einen Überblick, was im Medenspiel zusätzlich gilt.

Zuletzt geprüft: 28. Oktober 2026.

Die Grundregeln in Kürze

  • Ziel ist es, den Ball über das Netz ins gegnerische Feld zu spielen, sodass der Gegner ihn nicht regelgerecht zurückspielen kann.
  • Der Ball darf auf deiner Seite höchstens einmal aufspringen. Du darfst ihn auch direkt aus der Luft (Volley) spielen.
  • Ein Ball, der die Linie berührt, ist gut.
  • Gezählt wird 15, 30, 40, Spiel – die Details erklärt unser Ratgeber zur Tennis-Zählweise.
  • Ein Satz geht bis 6 Spiele mit 2 Spielen Vorsprung, bei 6:6 folgt meist ein Tie-Break.

Der Tennisplatz

Ein Tennisplatz ist 23,77 Meter lang. Für das Einzel ist er 8,23 Meter breit, für das Doppel 10,97 Meter – die äußeren Seitenstreifen (das „Doppelfeld“) zählen nur im Doppel. Das Netz ist in der Mitte 0,914 Meter hoch.

Die Aufschlagfelder liegen zwischen Netz und Aufschlaglinie. Sie sind für Einzel und Doppel gleich groß.

Vor dem Match: Einspielen und Seitenwahl

Vor dem Match wird gelost, zum Beispiel per Münzwurf oder durch Drehen des Schlägers. Wer gewinnt, hat die Wahl:

  • Aufschlag oder Rückschlag im ersten Spiel – dann wählt der Gegner die Seite.
  • Die Seite – dann wählt der Gegner, ob er aufschlägt oder annimmt.
  • Die erste Wahl dem Gegner überlassen.

Wird das Einspielen unterbrochen, etwa wegen Regen, bleibt der Gewinner des Losentscheids bestehen. Beide dürfen aber neu wählen, weil sich Sonne oder Wind geändert haben können.

Aufschlag-Regeln

  1. Du stehst hinter der Grundlinie, zwischen der gedachten Verlängerung des Mittelzeichens und der Seitenlinie.
  2. Jedes Spiel beginnt von der rechten Seite. Danach wechselst du nach jedem Punkt die Seite.
  3. Der Ball muss diagonal ins gegenüberliegende Aufschlagfeld fliegen, ohne vorher aufzuspringen.
  4. Du hast zwei Versuche. Gehen beide daneben, ist es ein Doppelfehler und der Punkt geht an den Rückschläger.
  5. Der Aufschläger wechselt nach jedem Spiel. Im Doppel schlagen die vier Spieler in fester Reihenfolge auf.
Typische Situationen beim Aufschlag
SituationEntscheidung
Ball berührt die Netzkante und landet im richtigen AufschlagfeldNetzaufschlag (Let) – der Aufschlag wird wiederholt
Ball trifft im Einzel die Einzelstütze und landet im richtigen FeldAufschlagfehler
Aufschläger tritt beim Aufschlag auf oder über die GrundlinieFußfehler – zählt wie ein Aufschlagfehler
Aufschläger verfehlt den Ball beim AufschlagAufschlagfehler
Rückschläger ist noch nicht bereit und versucht nicht, den Ball zu spielenAufschlag wird wiederholt

Wann verlierst du einen Punkt?

  • Der Ball springt auf deiner Seite zweimal auf, bevor du ihn spielst.
  • Dein Schlag landet im Aus oder im Netz.
  • Du berührst das Netz oder den Netzpfosten, solange der Ball im Spiel ist – mit Körper, Schläger oder Kleidung.
  • Du spielst den Ball, bevor er das Netz überquert hat. Ausnahme: Ein Ball springt mit Rückwärtsdrall von deiner Seite zurück über das Netz – dann darfst du über das Netz greifen.
  • Der Ball berührt dich oder deine Kleidung.
  • Du schlägst den Ball absichtlich zweimal. Ein unabsichtlicher Doppelschlag bei einem einzigen Schlagversuch ist erlaubt.
  • Du behinderst den Gegner absichtlich.

Trifft der Ball während des Ballwechsels die Einzelstütze oder den Netzpfosten und landet im richtigen Feld, ist das ein gültiger Schlag – anders als beim Aufschlag.

Seitenwechsel und Pausen

  • Die Seiten werden nach dem 1., 3. und jedem weiteren ungeraden Spiel eines Satzes gewechselt.
  • Endet ein Satz mit einer geraden Spielsumme (zum Beispiel 6:4), wird erst nach dem ersten Spiel des nächsten Satzes gewechselt.
  • Im Tie-Break wird nach jeweils 6 Punkten gewechselt.
  • Zwischen zwei Punkten sind höchstens 25 Sekunden erlaubt, beim Seitenwechsel 90 Sekunden, nach einem Satz 120 Sekunden.
  • Nach dem ersten Spiel eines Satzes und während des Tie-Breaks wird ohne Pause gewechselt.

Regeln für das Spiel ohne Schiedsrichter

Für Matches ohne Schiedsrichter hat die ITF eine Empfehlung herausgegeben, die auch die deutschsprachigen Verbände übernehmen. Sie ist kurz und sollte jeder Vereinsspieler kennen:

  1. Jeder ruft auf seiner Seite. Du entscheidest über alle Bälle, die in deiner Hälfte landen.
  2. Rufe sofort und laut. „Aus“ oder „Fehler“ muss der Gegner hören, und zwar direkt nach dem Aufsprung.
  3. Im Zweifel für den Gegner. Bist du dir nicht sicher, ist der Ball gut.
  4. Der Aufschläger sagt den Spielstand an – vor jedem ersten Aufschlag, hörbar für den Gegner.
  5. Bei Uneinigkeit über eine Entscheidung ruft ihr den Oberschiedsrichter, sofern einer vor Ort ist.

Rufst du einen Ball irrtümlich „Aus“ und merkst deinen Fehler, wird der Punkt wiederholt. Du verlierst den Punkt, wenn der Ball ein Gewinnschlag oder ein Ass war oder du schon vorher im Match falsch gerufen hast.

Ballabdruck auf dem Sandplatz

Auf Sand – in Deutschland, Österreich und der Schweiz der häufigste Belag – hinterlässt der Ball einen Abdruck. Dafür gelten Zusatzregeln:

  • Einen Abdruck darfst du nach einem Gewinnschlag kontrollieren oder wenn du das Spiel sofort stoppst. Ein Reflexschlag ist erlaubt, danach musst du anhalten.
  • Zweifelt dein Gegner deinen Ruf an, kann er verlangen, dass du ihm den Abdruck zeigst. Er darf dafür auf deine Seite kommen.
  • Wer den Abdruck wegwischt, gibt dem Gegner recht.
  • Rufst du einen Ball „Aus“ und stellst danach fest, dass er gut war, verlierst du auf Sand den Punkt.

Typische Streitfälle – und wie sie gelöst werden

Häufige Fragen aus der Praxis
SituationLösung
Ihr seid euch über den Spielstand uneinigGemeinsam rekonstruieren. Alle Punkte, über die ihr euch einig seid, zählen. Beispiel: Einig über zwei Punkte für jeden, unklar beim dritten – weiter bei 30 beide.
Der Gegner macht deutliche FußfehlerFußfehler darf nur ein Schiedsrichter geben. Ohne Schiedsrichter sprichst du den Gegner beim nächsten Seitenwechsel darauf an.
Ein Ball vom Nachbarplatz rollt während des Ballwechsels ins FeldDer Punkt wird wiederholt (Behinderung von außen).
Ein Ball rollt zwischen 1. und 2. Aufschlag ins FeldKein neuer 1. Aufschlag – es sei denn, der Aufschläger musste seine Aufschlagbewegung abbrechen.
Dir fällt ein Ball aus der Tasche oder die Kappe vom KopfBeim ersten Mal im Match wird der Punkt wiederholt. Bei jedem weiteren Mal geht der Punkt an den Gegner.
Der Gegner will nicht weiterspielen, solange kein Schiedsrichter da istEs gibt keinen Anspruch auf einen Schiedsrichter. Im Turnier kann der Oberschiedsrichter aber helfen, einen zu organisieren.

Medenspiele: Was gilt in der Verbandsrunde?

Medenspiele sind die Mannschaftswettbewerbe der deutschen Landesverbände, oft auch Verbandsrunde genannt. In Österreich heißen sie meist Mannschaftsmeisterschaft, in der Schweiz Interclub. Gespielt wird nach den ITF-Regeln – ergänzt durch die Wettspielordnung des jeweiligen Landesverbands. Diese Ergänzungen unterscheiden sich von Verband zu Verband.

Typisch sind Mannschaften mit vier oder sechs Spielern, die erst ihre Einzel und danach die Doppel spielen. Ohne Schiedsrichter gilt auf dem Platz alles, was oben unter „Spiel ohne Schiedsrichter“ steht.

  • Match-Tiebreak statt drittem Satz: In vielen Verbänden Pflicht. Beim Württembergischen Tennis-Bund gilt das 2026 ausnahmslos für alle Alters- und Spielklassen.
  • Ergebnis korrekt eintragen: Den Match-Tiebreak trägst du mit dem echten Ergebnis ein, zum Beispiel 10:3 oder 11:9.
  • Aufgabe: Gibt ein Spieler auf, wird der Spielstand zum Zeitpunkt der Aufgabe eingetragen und die Aufgabe markiert.
  • Nicht angetreten: Findet ein Match gar nicht statt, wird es nur als „w.o.“ markiert – ein ausgedachtes 6:0, 6:0 ist nicht erlaubt.
  • No-Ad: Manche Verbände erlauben den Entscheidungspunkt bei Einstand, häufig nur im Doppel und Mixed.
  • Spielbericht: Der Heimverein erfasst den Spielbericht online, meist mit festen Fristen.

Lies vor der Saison die Durchführungsbestimmungen oder das Rundschreiben deines Landesverbands. Dort steht, welches Format in deiner Liga gilt.

Sei Schiedsrichter in deinem eigenen Match

Die meisten Streitereien im Hobby- und Medenspiel drehen sich nicht um Linienbälle, sondern um den Spielstand. Mit der Racketlovers-App tragt ihr die Spiele bei jedem Seitenwechsel ein, der Gegner bestätigt sie, der Stand ist für alle sichtbar, und Teamkollegen oder Familie können von außen mitverfolgen.

Außerdem gibt es einen Schiedsrichter-Modus, in dem eine Person das Match vom Stuhl aus zählt – praktisch für Turniere.

2 Gewinnsätze

SpielerS1Punkte
hat Aufschlag00
00

0-0

Häufige Fragen

Ist ein Ball auf der Linie im Tennis gut?

Ja. Ein Ball, der die Linie berührt, zählt als im Feld. Das gilt für alle Linien, auch für die Aufschlaglinien.

Wer entscheidet ohne Schiedsrichter, ob ein Ball aus ist?

Der Spieler, auf dessen Seite der Ball landet. Er muss sofort und hörbar rufen. Ist er sich nicht sicher, entscheidet er zugunsten des Gegners.

Darf man beim Tennis über das Netz greifen?

Grundsätzlich nicht, solange der Ball noch nicht auf deiner Seite war. Springt der Ball aber auf deiner Seite auf und durch Drall oder Wind zurück über das Netz, darfst du über das Netz greifen und ihn spielen – ohne das Netz zu berühren.

Wie oft darf man den Aufschlag wiederholen?

Ein Netzaufschlag (Let) wird so oft wiederholt, wie er vorkommt. Echte Fehlversuche hast du dagegen nur zwei pro Punkt.

Wie lange darf man zwischen den Punkten Pause machen?

Nach den ITF-Regeln höchstens 25 Sekunden. Beim Seitenwechsel sind bis zu 90 Sekunden erlaubt, zwischen zwei Sätzen bis zu 120 Sekunden.

Gelten im Medenspiel andere Regeln als im Turnier?

Die Spielregeln sind dieselben, nämlich die ITF-Tennisregeln. Format, Spielbericht und Fristen regelt aber die Wettspielordnung deines Landesverbands. Dort steht zum Beispiel, ob der dritte Satz als Match-Tiebreak gespielt wird.

Quellen